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7 Gründe gegen Bällchen werfen

Die 7 unterschätzten Nebenwirkungen von Wurf- und Hetzspielen

Wenn du das weißt, siehst du Wurfspiele mit dem Bällchen oder Stöckchen mit ganz anderen Augen.

Der Hetztrieb wird gefördert und gefestigt.

Regelmäßige Wurfspiele trainieren den Hund praktisch darauf, schnell bewegenden Reizen hinterher zu hetzen. Aus einer ursprünglich instinktiven Reiz-Reaktions-Kette wird eine fest eingeübte Handlungskette. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Hund auch kleine (Beute-) Tiere oder gar schnelle Radfahrer impulsiv hetzen wird, steigt.

Für Jagdhunderassen und sogenannte Sichtjäger sind Wurfspiele absolut tabu. Dazu zählen z. B. die Windhund-Rassen, Collies und so mancher Terrier.

Trainiert man von klein auf das Durchstarten hinter Bewegungsreizen, kann man später keinen entspannten Hund erwarten. Es kommen sogar weitere Probleme hinzu.

Bereits ab Welpenalter sollte man also auf pädagogisch wenig wertvolle Wurfspiele verzichten und ein ruhiges, entspanntes Ansehen von Tieren aller Art trainieren und fördern – vor allem mit Jagdhunderassen. Denn dabei passiert genau das, was Halter eigentlich möchten: Der Hund bleibt länger ansprechbar und somit kontrollierbar und kann auch Wild ruhig anzeigen.

Ausschüttung von Stresshormonen

Der Körper des Hundes kann bei einem Hetzspiel nicht zwischen Ball oder Beutetier unterscheiden. Die Abläufe im Inneren bleiben dieselben. Das heißt, sämtliche Stresshormone werden ausgeschüttet, damit der Hund sein Ziel – also eine erfolgreiche Jagd und damit die Sicherung seiner Existenz – erreicht.

Botenstoffe sorgen für eine hohe Erregung und Glücksgefühle. Adrenalin schärft alle Sinne und stellt Energie bereit. Gleichzeitig wird die Abwehrbereitschaft gesteigert.

Hetzspiele zählen aus den genannten Gründen zu den Stressoren, die im Alltag vermieden werden sollten, damit der Hund mehr Kapazitäten für die täglichen Herausforderungen hat und weniger leicht auf potenzielle Problemreize, wie Jogger, reagiert.

Stresshormone

Was kaum ein Hundehalter weiß: Stresshormone benötigen mindestens einen halben bis zu sechs Tage, bis diese wieder abgebaut werden. Bei täglichem Ballspiel kann man sich also ausmalen, auf welchem erhöhten Stresslevel der Hund permanent im Alltag unterwegs ist, inkl. den körperlichen und psychischen Folgen.

Gefahr der Abhängigkeit

Dafür sensible Rassen werden schnell zu sogenannten „Ball-Junkies“, das heißt sie sind süchtig nach dem Adrenalin und Dopamin-Ausstoß, der beim Hetzen entsteht. Vor allem Dopamin wirkt selbstbelohnend und wie eine Droge auf den Körper.

Besonders gefährdet sind Hunde aus Arbeitslinien, Hütehundrassen und Terrier, aber auch leicht erregbare Individuen sowie Hunde mit Defiziten in der sensiblen Phase.

Sie interessieren sich dann nicht mehr für ihre Umwelt und die soziale Kommunikation mit dem Halter nimmt ab. Allein das Motivationsobjekt wird fixiert und es entsteht eine Art Sucht.

Vorteil aus Sicht des Halters ist, dass der Hund nun alles links liegen lässt – andere Hunde oder gar Rehe können einwandfrei passiert werden. Jedoch werden folgende negative Nebenwirkungen unterschätzt: abnehmende Bindung zum Halter, Hyperaktivität und Unruhe, leicht auszulösender Jagdtrieb sowie ein deutlich übersteigertes Aggressionsverhalten.

Entsteheung von Ressourcenaggression

Wird das Motivationsobjekt aus Sicht des Hundes zu wertvoll, wird dieses viel eher gegen Artgenossen oder auch Menschen verteidigt. Soziale Kompetenzen nehmen ab und durch das gesteigerte Aggressionsverhalten kommt es schneller zu Auseinandersetzungen.

Talente und Fähigkeiten des Hundes bleiben ungenutzt

Wenn man das Hetzspiel also als Teil einer Jagd sieht, erkennt man, wie unnatürlich und kontraproduktiv diese Beschäftigung ist. Eine Jagd besteht aus vielen einzelnen Bestandteilen, die gemeinsam eine Verhaltenskette bilden. Orientieren (also die Suche nach Wild) und Anzeigen bzw. Fixieren nehmen viele Stunden bis zu Tage in Anspruch. Erst danach würde der Hund mehr oder weniger schnell zum Anschleichen, Umkreisen und Hetzen sowie Packen und Töten übergehen. Dieser Part ist oft nach Sekunden oder maximal Minuten erledigt. Danach erfolgt das Zerlegen und Fressen des Beutetieres. Anschließend werden Teile davon häufig noch weggetragen und vergraben. Und auch diese Tätigkeiten beanspruchen gerne ein paar Stunden.

Wenn man sich jetzt im Vergleich ansieht, wie manch ein Halter den Ball oder das Stöckchen eine halbe Stunde am Stück wirft, wird schnell klar, dass es sich in dieser Form um eine unnatürliche Beschäftigung handelt, die den Fähigkeiten unserer Hunde wenig gerecht wird.

Gesundheitliche Risiken

Bei schnellen und weiten Wurfspielen, wie sie z. B. mit einer Ballschleuder erreicht werden, entsteht eine enorme Belastung für den ganzen Bewegungsapparat. Erhebliche Kräfte wirken auf die Vorderhand, wenn die Gelenke beim abrupten Abbremsen gestaucht werden. Gelenkentzündungen sowie Arthrose können die langfristigen Folgen sein. Kurzfristig können Bänderüberdehnungen- und Risse, schmerzhafte Blockaden, Stauchungen sowie Verdrehungen entstehen. Schonhaltungen und kleine Bewegungsveränderungen können schon bestehen, lange bevor der Hund sichtbare Schmerzen zeigt.

Stöckchenwerfen ist zusätzlich sehr unfallträchtig. Mit dem spitzen Ende in der Erde aufgekommen kann sich ein Stock sehr schnell in den Rachen bohren. Meist werden Mundhöhle, Zunge, Rachenmandeln, Speichelgänge oder Gaumen durch das Stöckchen verletzt. Manchmal kann es auch zu Verletzungen in der Speise- und Luftröhre kommen. Große Blutungen sind häufig die Folge und bringen den Hund unter Umständen in Lebensgefahr.

Sinnvoller Einsatz

Natürlich muss auf ein gemeinsames Spiel nicht verzichtet werden. Wichtig ist, dass die Gemeinsamkeit und die Kommunikation mit dem Halter im Vordergrund steht und gefördert wird. Der Hund bekommt z. B. ein Bleib-Kommando oder ein festes Positions-Kommando, wie Sitz, Platz oder Steh, während der Ball versteckt oder geworfen wird. Erst danach und ausschließlich mit ausdrücklichem Freigabe-Signal darf der Hund den Ball suchen (und apportieren).

Außerdem kann man ein Spielzeug hin und wieder sehr gut als bedürfnisorientierte Belohnung verwenden. Wenn sich der Hund vom rennenden Hasen oder auffliegendem Vogel abrufen lässt, darf er sehr gerne das Spielzeug hetzen – denn das ist die Handlung, die er gerade am Wild ausführen wollte.

Gesundheitlich ist wichtig, dass der Hund vor Sprints mindestens 20 Minuten aufgewärmt wurde und ebenso lange Zeit für ein cool-down bekommt. Und nach großer Action empfehle ich immer ruhige Nasenarbeit oder Kauartikel als Ausgleich.

Die Dosis macht wie immer das Gift und kein Hund nimmt Schaden, wenn man während des Spaziergangs mal einen Tannenzapfen wirft und dem Hund eine Freude macht. Tödlich ist aber das regelmäßige, andauernde, wiederholende Hetzspiel ohne Sinn und Verstand, dessen Folgen leider oft viel zu sehr unterschätzt werden.

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