Es klingelt und dein Hund bellt hysterisch und ist nicht mehr ansprechbar? Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses Verhalten zu verändern. Das schont nicht nur die Nerven des Halters (und der Nachbarn), sondern verhindert auch, dass der Hund jedes Mal in Stress gerät, wenn die Klingel ertönt.

Es gibt vier Möglichkeiten und Kombinationen daraus, wie der Hund auf Besuch reagieren kann:

  1. Entspannt und freundlich
  2. freundlich aber sehr aufgeregt (hektisches Umherlaufen, Piloerektion, hohes Bellen, schnelles Schwanzwedeln)
  3. aggressiv (Knurren, tiefes Bellen, erhobene Rute, schnelles Schwanzwedeln)
  4. ängstlich (angelegte Ohren, eingezogene Rute, geduckte Körperhaltung, weite Pupillen)

Dieses Tutorial spricht vor allem freundliche, aber sehr aufgeregte Hunde an. Bei Angst- oder Aggressionsproblemen sollte man noch ein paar weitere Punkte beachten!

Zwei Möglichkeiten führen zum Ziel

Generell gilt: Während des Trainings darf die Klingel im Alltag nicht verwendet werden. Eine Möglichkeit ist, ein Schild anzubringen, und den Besucher zu bitten, sich per Telefon anzukündigen. Alternativ kann vorübergehend eine Klingel mit Lichtsignal verwendet werden. Hunde unterscheiden nicht zwischen Training und wahrem Leben, deshalb muss durch Management verhindert werden, dass der Hund das unerwünschte Verhalten weiterhin übt.

Wichtig: Sämtliche Schritte über den Tag verteilt öfter und kurz üben und immer erst zum nächsten Schritt gehen, wenn der vorherige problemlos klappt. Eine Übungseinheit immer mit einem Erfolgserlebnis abschließen und aufhören, wenn es am schönsten ist!

Jede Trainingsmöglichkeit kann ein paar Wochen in Anspruch nehmen, je nachdem wie häufig geübt werden kann. Die Dauer ist individuell vom Hund (und Mensch) abhängig.

Möglichkeit 1

Ziel: Der Hund bellt kurz und darf mit zur Türe, aber erst auf Freigabe Kontakt zum Besucher aufnehmen
  • Eine Hilfsperson klingelt – der Hund bellt. Die Bezugsperson sagt ruhig „Danke, ich übernehme“ oder einen ähnlichen Ritualsatz und geht betont ruhig zur Türe.
  • Wichtig ist, dass der Mensch splittend zwischen Tür und Hund steht und somit auch körpersprachlich die Führung in dieser Situation übernimmt. Aber Vorsicht: ein Kommando (Sitz, Platz, Bleib) sollte nur verwendet werden, wenn der Hund dieses auch tatsächlich in einer Stresssituation ausführen kann, sonst führt es nur zu weiteren Konflikten. Eine Diskussion mit dem Hund sollte unbedingt vermieden werden.
    Der Mensch zeigt dem Hund ruhig die absplittende Handfläche. Bellen und jede Art des aufgeregten Verhaltens bleiben dabei unbedingt unkommentiert, bis der Hund ruhig ist. Dadurch wird das Handsignal zum neuen „Still“-Signal. Versucht der Hund sich am Mensch vorbei zur Tür zu drängen, wird er körpersprachlich dazu aufgefordert, einen gewissen festgelegten Abstand einzuhalten.
  • Das jetzt ruhige Verhalten wird in jedem Fall mit Lob oder Zuwendung verstärkt.
  • Das Klingelgeräusch wird solange wiederholt, bis der Ablauf für Mensch und Hund etabliert ist und der Hund, wenn überhaupt, nur noch kurz bellt.
  • Jetzt kann die Türe einen Spalt geöffnet werden. Drängt sich der Hund vor, geht die Türe sofort wieder zu. Solange bis der Hund ruhig bleibt. Darauf folgt wieder ruhiges loben.
  • Das Training erfolgt so kleinschrittig, dass der Hund dabei weder bellt noch versucht, sich am Menschen vorbei an die Türe zu drängen, bis die Tür komplett offen steht und ein Gespräch mit dem Besucher möglich ist. Die Übung erfolgt nach wie vor mit einer Hilfsperson, damit die Aufmerksamkeit dem Hund gilt.
    Erfolgreiches Training findet dann statt, wenn der Hund keinen Fehler machen kann!
  • Bei ruhigem erwünschtem Verhalten, kann und soll nach einem Freigabe-Signal natürlich Kontakt zum Besucher erlaubt werden.

Möglichkeit 2

Ziel: Der Hund bellt nicht und geht auf seine Decke und wartet dort bis zur Freigabe
Deckentraining:
VorbereitungGute, aber langweilige Leckerlis
Zeitpunkt wählen, wenn der Hund tendenziell ruhig und müde ist
Ruhe ausstrahlen
Schritt 1Position so wählen, dass die Decke zwischen dem Mensch und Hund ist
Alles belohnen, was auf der Decke ist – und wenn es nur die Vorderpfoten sind
Jeweils 1 x auf der Decke belohnen und 1 x Leckerli werfen, damit der Hund die Decke wieder verlässt
Anschließend nur noch belohnen, wenn alle 4 Pfoten auf der Decke sind – 5 x wiederholen
Schritt 2Nur noch das auf-der-Decke-bleiben belohnen
Abwarten, ob der Hund sich von allein hinlegt – sonst ohne Kommando ins Platz locken und unten zwischen den Vorderpfoten belohnen; im Platz festfüttern
Schritt 3Den Hund ohne Kommando aber mit neuem Handsignal auf die Decke führen und dort im Liegen belohnen
Das neue Kommando „auf die Decke“ oder „auf deinen Platz“ einführen, wenn der Hund sich auch zuverlässig hinlegt. Nach dem neuen gesprochenen Kommando erfolgt immer das bereits eingeführte Handsignal – nicht zeitgleich.
Ab jetzt nur noch das Liegen belohnen
Schritt 4Die Position des Menschen verändern
Weiterhin nur ruhiges Verhalten belohnen
Aus Entfernung auf die Decke schicken
Kauartikel oder Futterspielzeug auf der Decke anbieten
Schritt 5Bewegungen als Ablenkung einführen
Abstände zwischen den Belohnungen vergrößern
Dauer, Entfernung und Ablenkung trainieren. Immer nur eine Komponente pro Trainingseinheit steigern.
Klingeltraining
VorbereitungBei sehr aufgeregten Hunden beginnt man draußen vor der Haustüre und klingelt oder spielt den Klingelton alternativ drinnen relativ leise vom Handy ab, mit dem man den Ton zuvor aufgenommen hat. 0,5 Sekunden nach dem Ton bietet man dem Hund ein sehr wohlschmeckendes Leckerli an, unabhängig davon, was er gerade tut. Dies wiederholt man so lange, bis Entspannung und Erwartung auf Futter eintritt.
Hat man draußen begonnen, verlegt man das Training nach erfolgreichen Wiederholungen nach drinnen und lässt eine Hilfsperson klingeln. Die Vorbereitung kann durchaus mehrere Tage Training in Anspruch nehmen.
Der Hund sollte im Laufe der Wiederholungen nicht mehr bellen, sondern Futter erwarten!
Schritt 1Eine Hilfsperson klingelt und die Bezugsperson gibt Leckerlis, Kauartikel oder Futterspielzeug (Kong, Schnüffelteppich, Licki mat, etc.) auf der Decke.
Schritt 2Eine Hilfsperson klingelt, die Bezugsperson schickt den Hund aus Entfernung auf seine Decke, wie zuvor geübt. Anschließend gibt es dort die Belohnung. So trainieren, dass der Hund im Idealfall von alleine auf die Idee kommt, beim Klingelton automatisch die Decke aufzusuchen, daraufhin erfolgt eine Jackpot-Belohnung.
Schritt 3Die Abstände zwischen den Belohnungen vergrößern.
Schritt 4 Anschließend die Dauer, Entfernung, und Ablenkung trainieren. Immer nur eine Komponente pro Trainingseinheit steigern.

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