Hilfe! Mein Welpe möchte jeden anspringen.

Welpen möchten fröhlich und in guter Absicht andere Menschen begrüßen (und anspringen). Leider machen viele Welpen bei dieser Aktion sehr positive Erfahrungen, da die allermeisten Menschen freundlich und entzückt auf einen Welpen reagieren und vielleicht sogar das Anspringen besonders süß finden. Anfangs also aus Neugier und aufgrund positiver Erfahrungen heraus, später häufig auch aus dem Grund, weil der Halter einfach zu gewöhnlich ist und eh immer zur Verfügung steht. Passanten werden täglich spannender und attraktiver.

Aus Höflichkeitsgründen und bezüglich einer guten Erziehung sollte dies natürlich vermieden werden. Außerdem besteht immer die Gefahr, dass jemand doch negativ reagiert und den Welpen erschrickt oder sogar körperlich maßregelt. Zudem sollte der Halter durch diese Lernerfahrungen nicht weiterhin an Attraktivität verlieren.

Welpen müssen das jedoch erst lernen! Der Halter ist hier gefordert – nicht die anderen Personen, die sich außerhalb der Familie (und das ist schon schwer) nur schlecht steuern lassen. In erster Linie muss man immer sehr vorrausschauend interagieren! Die Betonung liegt auf Agieren – nicht reagieren, wie so oft im Hundetraining.

Zeigt der Welpe in einem normalen Maß Interesse an Passanten, geht es darum den Fokus rechtzeitig wegzulenken. Durch eine nette Übung, Richtungswechsel, Futtersuche, etc. Der Welpe bekommt dadurch eine sehr attraktive Alternative und erwartet langfristig bereits schöne Interaktionen mit seinem Menschen beim Anblick eines Fremden. Hilfreich sind auch kurze Spaziergänge auf sehr belebten Wegen – denn wenn im Sekundentakt Menschen entgegenkommen, verlieren diese auch an Besonderheit: Aber Vorsicht, der Welpe darf dabei natürlich nicht gestresst sein, sonst erreicht man das Gegenteil.

Wie immer gilt, auch freiwillig erwünschtes Verhalten positiv zu verstärken. Das heißt, schnüffelt der Welpe gerade am Wegrand, während ein Spaziergänger vorbei geht, kann dies durch ruhiges, beiläufiges Lob positiv kommentiert werden.

Auf Strafe durch Schimpfen etc. sollte verzichtet werden, da Welpen unter Umständen diese negative Einwirkung mit anderen Personen verknüpfen und infolgedessen aggressiv oder ängstlich reagieren könnten. Außerdem ist Anspringen an sich eine selbstbelohnende Handlungsweise, die am Leben erhalten bleibt, unabhängig, wie die darauffolgende Konsequenz aussieht.

Im direkten Kontakt muss der Halter darauf achten, die Füße des Welpen am Boden zu halten: durch Leckerlis am Boden oder durch eine Leine, die ein Anspringen vorbeugend verhindert. Personen, die man steuern kann, sollen zur Begrüßung am besten in die Hocke gehen.

Außerdem gilt immer die Übung: „Mein Mensch ist der Beste*“. Welpen sollen lernen: ein Fremder ist nett, aber nicht „wertvoll“. Es gilt, die spannende Begegnung mit einem Fremden zu toppen. Das heißt, anschließend gibt es besonders tolle Leckerlis, ein kleines (Renn-) Spiel oder Übungen / Tätigkeiten, die der Hund wirklich schätzt. Findet diese Bemühung nicht statt, wird die Bezugsperson nur noch eine (nervige) Begleitperson oder noch schlimmer, der Spaßverderber, der schöne Begegnungen mit fremden Menschen oder Hunden unterbricht und unterbindet. Junge Hunde bekommen stets die volle Aufmerksamkeit einer fremden, interessierten Person – der Halter steht theoretisch immer zur Verfügung und wird ohne Bemühen mehr und mehr zu einer Nebensächlichkeit. Der Hund wird infolgedessen direkt magnetisch von anderen Personen angezogen, leider im Freilauf auch schon aus großen Distanzen.

Gleichzeitig muss der Welpe aber auch vor zu überschwänglichen Personen geschützt werden. Nicht jeder Fremde darf einfach grundlos den Welpen begrüßen oder streicheln. Dies sollte eine absolute Ausnahme sein. Mit einem freundlichen „Wir sind gerade im Training, tut mir leid“, lässt sich die Situation positiv auflösen. Unterstützend hilft es, wenn der Halter auch körpersprachlich signalisiert, dass kein Kontakt gewünscht ist, indem er einen leichten Bogen läuft und darauf achtet, dass die eigenen Schultern leicht vom Fremden wegzeigen. Minimale Veränderungen in der Körpersprache können hier einen wertvollen Beitrag leisten, denn Hunde reagieren darauf sehr stark – auch wenn es uns Menschen nicht immer direkt auffällt.

All diese Strategien bringen natürlich nur Erfolg, wenn die Bezugsperson auch allgemein eine Leitfigur aus Sicht des Hundes darstellt, die über entsprechende Führungsqualitäten verfügt.

*Celina del Amo

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